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Metamorphose – eine Muddi entsteht

Metamorphose, was für ein Wort….jetzt dreht die völlig ab…schmeißt mit Fremdwörtern um sich und macht einen auf Intellektuell 😀

Nein keine Panik…ich kann zwar gut mir Fremdwörtern um mich schmeißen (wenn ich will) und mein Mann würde jetzt sagen, ich bin ein großer Klugscheißer…..aber ich finde einfach dieses Wort und den Prozess, der dadurch beschrieben wird, genau passend. Denn genau DAS, einen Wandlung in eine andere Gestalt oder einen anderen Zustand, durchläuft man nicht nur körperlich sondern auch im eigenen Kopf, bis man von sich sagt man ist eine Mutter. So geht es mir zu mindestens.

Der Drache ist jetzt bald schon 10 Monate alt und ich würde sagen ich bin jetzt kopftechnisch so langsam im Muddisein angekommen. Jetzt denkt sich der ein oder andere Leser vermutlich, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank…..aber keine Sorge, die sind schon länger weg 😛

Ich meine damit, dass ich lange gebraucht habe gewisse Gegebenheiten zu akzeptieren oder besser gesagt einen neuen Weg zu finden. Gerade als Mutter erlebt man den Prozess, dass man im wahrsten Sinne des Wortes von einem Tag auf den Anderen nicht mehr wirklich „selbstbestimmt“ und alleine ist sehr intensiv. Ebenfalls sind die körperlichen Veränderungen, die man von der Schwangerschaft an bis zum Abstillen durchläuft doch gravierender, als ich mir das vorgestellt habe. Es ist nicht so, dass ich blindlings in die körperlichen Veränderungen reingelaufen bin, aber es redet nie wirklich einer darüber. In meinem Artikel „Drachenbändiger-Dinge, die einem vorher keiner sagt“ hatte ich schon ein paar Aha-Momente erwähnt. Die gehen aber noch weiter 😛

Nehmen wir mal den Beckenboden als Beispiel, der ist nicht wie viele vielleicht denken nach der Rückbildung wieder top fit. Nein der ist auch nach der Rückbildung noch immer die Achillesferse meiner Blasenkontinenz….mit voller Blase kein Klo in der Nähe, Niesen, Husten oder Lachen ist auch nach 10 Monaten nun wirklich nicht der Hit. Also ich pinkel mich jetzt nicht ein, aber die volle Konrtolle habe ich definitiv noch nicht wieder.

Ebenso verhält es sich mit dem Afterbabybody. Mal kurz zu diesem Wort…Wer hat sich dieses Wort AFTERBABYBODY ausgedacht?! Das klingt so dermaßen dämlich, nach Fitnessslang und setzt unbewusst schon völlig unter Druck!! Da ich in der Schwangerschaft nur um die 12 Kilo zugelegt hatte, bin ich eine der Glücklichen, die mit Gewichtsproblemen nach der Schwangerschaft nichts zu tun haben. Was aber nicht heißt, dass deshalb bei mir alles traumhaft ist. Ich hab jetzt halt ein Mamakörper, schließlich hat mein Körper ein Kind in sich entwickelt, es geboren und es genährt. Wenn man sich das mal so aufschreibt, wird mir gerade wieder selber bewusst, dass es albern ist sich so viele Gedanken über seinen Körper zu machen. Aber genau diese Erkenntnis, den gesellschaftliche Druck zu ignorieren und vor allem die Selbstakzeptanz oder nennen wir es Selbstliebe (auch ein komisches Wort) zu erlangen ist auch ein Prozess.

Das soll jetzt nicht blöd klingen, aber ich hatte grandiose Brüste. Nicht zu groß, nicht zu klein, straff, konnten ohne BH vor die Tür und standen ihre Frau mit einer schönen 80B. Dann kam mit Schwangerschaft und Stillzeit der Ausflug ins Gebirge namens Riesenbrüsteland. Während der Schwangerschaft bin ich auf 80D geklettert und mit Milcheinschuss hatte ich kurzweilig sogar 80E. Und ja das war schon geil mal so schicke große Moppen zu haben. Der Mann hatte da nichts von, angucken nicht anfassen. Denn seien wir doch mal ehrlich erstens tun die Teile in der Zeit scheiße weh, zweitens stand Sex so gar nicht auf meiner Tagesordnung und drittens hatte ich ein wunderbar sternenförmiges Muster dank Geweberissen auf den Prachtstücken. Tja und dann kam das Abstillen des Drachens und ich bin wieder im Tal der 80B oder 80C….allerdings nicht in dem alten von vor der Schwangerschaft irgendwie hat sich die Adresse in schlaff, eher hängend, Bleistift-test bestehst du nicht mehr und ohne in gutes Licht rückenden BH gehen wir lieber nicht raus geändert. Ehrlich gesagt weiß ich gerade gar nicht welche Größe ich besitze, denn irgendwie passt kein vorhandener BH wirklich gut und ich habe auch noch kein gut sitzenden neuen gefunden…da muss ich wohl mal ins Fachgeschäft 🙁

Neben den Brüsten hat auch der Bauch die Spuren der Schwangerschaft und Geburt abbekommen. Mein Bauchnabel sieht z.B. jetzt ganz anders aus und auch die leicht dunkle Linie, die in der Schwangerschaft entsteht, ist geblieben. Ebenso sitzt der Hintern nicht mehr wirklich da wo er mal war und mein Rücken hat ordentlich einen mitbekommen. Das ein oder andere würde mit gezieltem Sport sich wieder etwas richten, aber bestimmte Dinge werden bleiben! Diese bleibenden Dinge, die muss Frau erst einmal akzeptieren. Mein Mann ist fantastisch und findet mich genauso attraktiv wie vorher, das musste/muss mein Kopf aber immer noch verstehen.

Eine Veränderung, die ich tatsächlich sehr schön und beeindruckend finde sind meine veränderten Gesichtszüge. Ich denke jeder kennt es, dass eine Frau in der Schwangerschaft ein sogenanntes Mamagesicht bekommt. Es gibt allerdings viele Frauen die mit Geburt ihres Kindes, wie soll ich das beschreiben…. reifere oder erwachsenere Gesichtszüge bekommen. Klingt komisch, aber ich glaube die Fotos verdeutlichen was ich meine. Und ich rede jetzt nicht von dem sogenannten Mamateint (Augenränder, blass, ungeschminkt, paar Pickel) 😀

Oben vor der Schwangerschaft, unten als Muddi

 

Soviel zu der rein körperlichen Metamorphose. Dann haben wir da noch die optische Metamorphose, die eher so den Style used, dirty und destroyed vereint 😛 . Hauptsache bequeme zum Rumtoben auf dem Boden geeignete, relativ gut Sabber-&Rotzflecken (oder auch Milchflecken) kaschierende, öffentlichkeitstaugliche Klamotten, die noch einen Hauch von Style besitzen, dass beschreibt meinen Muddilook ganz gut.  Geschminkt wird sich nur noch, wenn es mal „wo hin geht“ und aufgebrezelt habe ich mich das erste mal vor genau einer Woche zum ersten richtigen „Mutti-hat-Ausgang-Tag-Mädelsabend“.

 

Mudditstyle für zu Hause 😀

 

Kommen wir nun zu dem was im Kopf passiert. Vielleicht ging es nur mir so, vielleicht hatten andere da nicht solche Probleme, vielleicht wäre es mir mit einem weniger, nennen wir es mal, „anspruchsvollem“ Kind einfacher gefallen, aber ich habe mich häufig gefragt, ob ich als Mutter geeignet bin. Nicht nur das sondern ich hatte und habe sie auch heute noch diese Momente, in denen ich mich Frage, ob es die richtige Entscheidung war Mutter zu werden. Ich möchte nicht, dass mich jemand falsch versteht, es geht nicht um die Frage ob der Drache da sein sollte oder nicht! Der Drache ist mir das Liebste auf der ganzen Welt und ich möchte sie niemals missen!!! Nein es geht hier um MICH darum, ob ICH das geregelt bekomme, ob ich für den Drachen eine gute Mutter bin/sein kann und ob ich Mutter hätte werden sollen. Ich denke es wird den ein oder anderen Leser geben, der sich jetzt wahnsinnig aufregt und es wird den ein oder anderen Leser geben, der sich wiedererkennt. Ich bin ein sehr kopflastiger Mensch, perfektionistisch, besserwisserisch, einerseits eine viel zu große Klappe, andererseits sehr unsicher und beeinflussbar. Dazu habe ich noch Hochsensibilität (Definition findet ihr hier: Hochsensibilität), was das ganze nicht einfacher macht.

Die Metamorphose in meinem Kopf lief ungefähr so ab:

  • Freude: „Oh wow ich bin Mama und oh wie geil ist das denn!!!! Oh mein Gott dieses Kind ist das tollste hübscheste fantastischte Baby der Welt“
  • Hormone weg ankommen in der Realität :“Ahhh Hilfe ich bin verantworltich für diesen armen kleinen Drachen, oh Gott ich versteh den nicht, was mache ich falsch, wieso schreit dieses Kind so viel, ich bin unfähig“
  • Frust mit Fluchtinstinkt: „wieso schreit mein Kind nur soviel, andere Kinder machen das nicht, andauernd diese dämlichen Tipps mach das so mach dies mach das, ich möchte auch ein sogenanntes Anfängerkind, ich schaffe echt überhaupt nichts weder Haushalt noch was für mich, ich hab kein bock mehr, ich will auch mal Schlafen, ich möchte nur 5 Minuten mal ICH sein, der Mann kann viel mehr alleine machen als ich, ich will bitte einen Tag mal keine Entscheidungen treffen müssen, ich will einfach mal meine Ruhe, es ist mir zu viel, zu laut, zu hektisch, zu unruhig, ich muss hier dringend raus“
  • gefolgt von Zukunftspanik: “ was ist denn jetzt mit meinen Wünschen, habe ich schon alles gemacht was ich nur ohne Kind erreichen kann, wie soll das mit der Arbeit funktionieren, was wird denn aus unserer Zweisamkeit, werden wir finanziell dem Kind gerecht, müssen wir uns mehr absichern“
  • langsame Akzeptanz: „Okay bleiben wir mal ruhig, jedes Kind ist anders, unser Kind ist einfach anspruchsvoller, Schlafen ist einfach ein Arschloch,  das Kind ist eine einzige Phase durch die Muddi einfach durch muss, bringt nichts sich aufzuregen oder zu bemitleiden, es gibt extrem vielen denen es genauso geht, es lässt sich auch mit Kind alles machen und regeln man muss einfach nur mehr strukturieren und spontan bleiben, so kacke bin ich als Muddi gar nicht, jede Muddi hat mal ne Scheißwoche wer nur von Tagen redet der lügt“
  • Im hier und jetzt: „ich bin nicht perfekt, ich muss es auch nicht sein, ich kann immer noch alles machen es muss nur intern besprochen und geplant werden, ich bin eine ganz normale Muddi mit Systemfehlern in der Grafik und der Prozessor hängt halt auch mal aufgrund von Überlastung 😀

Man könnte sagen ich habe lange gebraucht für diesen Prozess, immerhin wird unser kleines Drachenmädchen bald 10 Monate alt. Allerdings glaube ich, dass es genauso ist wie mit den kleinen Drachen jeder ist individuell und jeder braucht unterschiedlich lang für etwas. Meine Hochsensibilität hat den ganzen Prozess denke ich auch verzögert. Ich werde auch immer wieder in Zweifel kommen, was auch gut ist, denn ohne Selbstzweifel kein Reflektieren und ohne das keine Weiterentwicklung und Stillstand ist für niemanden gut.

In diesem Sinne schlüpfe ich mal aus meinem Nicht-Muddi-Kokon und genieße den Höhenflug eine nicht mehr ganz so frischen Muddi 😀

Wie ist es euch ergangen? Wie kommt ihr mit eurer Metamorphose klar? Ich freue mich über eure Entwicklung, eure Meinung und eure Gedanken.

 

 

 

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1 thought on “Metamorphose – eine Muddi entsteht

  1. Liebe Drachenmama,
    das hast du super geschrieben. Ich musste laut lachen 🙂
    Ich kann dich sehr gut verstehen. Nach der Geburt meines ersten Sohnes ging es mir ähnlich. Es ist so ein riesengroßer Schritt Mutter zu werden. Das geht nicht so einfach über Nacht. Ok gut, das Baby kommt schon einfach mal so auf die Welt, aber damit ist es ja nicht getan. Man lernt sich von einer ganz anderen Seite kennen – einer Seite mit vielen Fehlern, zumindest ging mir das so. Der Zwerg hat mich an meine Grenzen gebracht – und dass obwohl ich ein eher pflegeleichtes Kind hatte. Man muss sich neu kennen lernen und viele Sachen akzeptieren und daran arbeiten. Aber auch nach der Geburt des zweiten Sohnes geht es mir so, dass mir diese Zeit für mich so sehr fehlt. Wenn das Kind größer wird, bekommt man wieder mehr von seiner Selbständigkeit zurück. Und dann kommt der neue Zwerg und es beginnt wieder von vorne. Ich liebe meine Kinder über alles, aber ich hätte manchmal einfach gerne wieder mehr Zeit für mich. Würde gerne mal einfach nur einen ganzen Tag in die Arbeit gehen (ohne Kinder) und ich würde gerne einfach mal wieder durchschlafen.
    Aber zum Glück haben diese süßen Wesen das Talent einem ihr süßestes Lächeln zu schenken und alles ist vergessen.
    Mach weiter so. Du bist auch eine ganz super Mutter. Wir tun alle unser bestes und sollten uns nicht selbst so fertig machen.
    Liebe Grüße,
    Yvonne

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