Kind Mama Blog, Momentaufnahme

Denkste……Faszination Schublade

Die Schublade, das ist zur Zeit der Hit bei unserem Drachen! Ausräumen, Einräumen, Umsortieren, Begutachten, Untersuchen, auf den Grund gehen, Anschauen, Auf und Zu, Erfolgserlebnisse und Tragödien (Finger einklemmen). Schon toll was eine Schublade so kann! Da ist es kein Wunder, dass sich das Drachenmädchen stundenlang mit einer Schublade und ihrem Inhalt beschäftigen kann.

Vielleicht ist es daher auch kein Wunder, dass Schubladen uns noch im Erwachsenenalter faszinieren, allerdings eher im Geiste. Gerade jetzt mit Kind fällt mir immer wieder auf wie schnell man solche Schubladen benutzt. Auch ich begutachte, untersuche, gehe auf den Grund, schaue und sortiere dann je nach Erfahrung (Erfolg, Tragödie) ein, aus und um und mache meine Schubladen regelmäßig auf und zu.

Gerade letztens habe ich einen kleinen Post zum Thema Blickwinkel gemacht. Dieser Blickwinkel hat auch enorm viel mit Schubladen zu tun. In die man sich selber steckt oder gesteckt wird, in die man andere Steckt. Macht man bewusst oder auch unbewusst jeden Tag. Wie sehr dieses Schubladendenken sich allerdings ausprägt und wie ein Virus vergrößert, wenn man Mutter/Eltern wird finde ich beeindruckend!!

Entweder habe ich jetzt einfach „Zeit“ (oh der war gut, da muss ich selber lachen 😂 ) um über so etwas nachzudenken oder Mütter/Eltern neigen verstärkt zum Schubladendenken. Aber woran liegt das? Wie kommt es, dass gerade Kindererziehung, Kindesentwicklung und Elterndasein so zum Schubladendenken anregen?

„Jaja High need, die sind einfach nur überfordert.“ „Flasche? Stillen ist das natürlichste der Welt so eine Rabenmuttet“ „Die Stillst noch?! Oh gott so ne Langzeitstilltante“ „Stoffwindeln, na das ja öko!“ „Die gibt ihr Kind vordem 2 Lebensjahr in Fremdbetreuung? Wie herzlos.“

Mir ist aufgefallen, dass wirklich alles was Babys , Mama- oder Elternsein und damit verbundene Themen angeht benannt wird. Es gibt für alles Richtwerte, Empfehlungen, Kategorien und Standarts. Und wirklich alles bekommt einen Namen bzw. eine Benennung.

Da bekommt der Satz: „Dem Kind einen Namen geben“ eine ganz neue Bedeutung!!

Es fängt schon bei der Geburt an „natürliche“ , „hebammengeleitete“, „krankenhaus“ oder „haus“ Geburt. Und schwubs entsprechende Schublade auf Mutter&Kind rein Schublade wieder zu.

Weiter geht’s mit Nahrungsaufnahme des Babys „Stillen“, „Flasche“ , „Brei“, „Breifrei“, „Gläschen“, „Selbstgekocht“, „frühes Abstillen“ oder „Langzeit Stillen“ und wieder schwubs Schublade auf Mutter&Kind rein Schublade zu.

Dann noch das Schlafen „Schlafsack“ , „Bettzeug“, „Familienbett“, „Bett im Kinderzimmer“, „Bett im Elternzimmer“ oder „Gar nicht im Bett“ und schwubs Schublade auf Familie rein Schublade zu.

Erziehung „bedürfnisorientierte“ , „erzogen“, „unerzogen“, „schimpfen“, „nichtschimpfen“ , „liebevolle Strenge“, „antiautoritäre“ und noch vieles mehr. Und wieder schwubs Schublade auf Familie rein Schublade zu.

Das Baby oder Kind an sich „high need“, „schwieriges“ , „Schrei“ , „ruhiges“, „hochsensibles“, „starkes“, „schwaches“, „forderndes“, „langsames“ etc…..wieder schwubs Schublade auf Kind&Eltern rein Schublade zu.

Ich könnte diese Liste noch ewig weiter führen, aber ich denke es ist klar was ich meine. Es gibt so wahnsinnig viele kleine Entscheidungen, die jede Familie für sich und ihren Drachen treffen muss. Sie müssen entscheiden, was für ihre Bedürfnisse, ihre Situation und ihr Kind das Richtige und somit das Beste ist.

Jede Familie stellt sich ihre Kommode mit den passenden Schubladen zusammen. Unsere hat die Schubladen: „Stillen“, „Brei“ ach ne doch lieber „breifrei“…ach ne machen wir ne große Schublade mit „Essen läuft“. Des weiteren hatten wir „Familienbett“ okay blöde Schublade klemmt irgendwie, dann nehmen wir die „scheiß auf Bett“. Ebenso dabei „schreibaby“ das kann nicht die richtige Schublade sein Ah guck mal die Schublade „High need“ und oder „hochsensibel“ passen schöner in die Optik 😂.

Obwohl wir unsere eigenen Schubladen dauernd umsortieren und häufig nur Bruchteile von den ganzen Richtwerten, Empfehlungen, Kategorien und Standards für unsere Kommode Verwendung finden, stecken wir uns und andere in die großen allgemeinen Schubladen.

Klar sind Richtwerte, Empfehlungen, Kategorien und Standards wichtig, aber sie sind nicht alles. Die ganzen kleinen wichtigen Entscheidungen die jede Familie für sich treffen muss, die sind doch Stress genug. Wieso muss man sich dann noch den Stress machen und alles „Beim Namen“ nennen? Und wieso stecken wir uns trotzdem andauernd gegenseitig in Schubladen?

Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden, aber ich habe mir vorgenommen nicht mehr so schnell die Schubladen aufzureisen und reinzustecken. Einfach mal die Schublade Schublade sein lassen, nochmal den Blickwinkel überprüfen und mich nicht so drüber zu ärgern, wenn ich in Schubladen gesteckt werde, die mir nicht passen.

Vielleicht schaffe ich es auch irgendwann die mentalen Kommoden mit ihren Schubladen abzuschaffen und ne offene Garderobe einzurichten wo sich jeder hinhängt wo er will 😊. Und bei euch so? heute schon ne Schublade verwendet oder vielleicht nochnmal den Blickwinkel geändert?

In diesem Sinne gebe ich der Schublade heute keinen Namen mehr, aber dem Kind eine Schublade zum zerlegen😉.

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